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Die Perspektiven eines Street Food Festivals

Mittendrin statt nur dabei

© neillangan © neillangan

Das amerikanische Konzept der außergewöhnlichen Imbisswagen boomt: Nahezu täglich finden große und professionell organisierte Street Food Festivals in ganz Deutschland statt, um den Bedarf und die Neugier der hungrigen Deutschen zu decken. 
Während des Hamburger Hafengeburtstags kam ich eher zufällig in den Genuss, die ersten Erfahrungen mit einem dieser Events zu machen. Vor einigen Tagen dann wechselte ich die Perspektive und stand einen Tag lang auf der anderen Seite der Theke. Was es bedeutet, auf einem Street Food Festival zu arbeiten und welche Eindrücke ich sammeln konnte, lest ihr hier:

Alle Street Food – Events profitieren besonders von den sozialen Netzwerken. Hunderte Veranstaltungen, Gruppen und Fan-Seiten tummeln sich rund um den Begriff „Street Food“. Und so erfuhr auch ich über eine große Facebook-Veranstaltung von dem Street Food Festival auf dem Spielbudenplatz an der Reeperbahn, der über mehrere Tage die Besucher des Hamburger Hafengeburtstages versorgte. 
Strahlender Sonnenschein und eine ausgewogene Anzahl von Hungrigen und kulinarischen Highlights sorgten für eine sehr entspannte und fröhliche Atmosphäre. Dutzende Wagen standen in Reih und Glied um den gesamten Platz herum. In der Mitte befanden sich liebevoll dekorierte Biergarnituren mit frischen Kräutern.

Kühles Bier und Pitabrot für rund 6,00€

Kühles Bier und Pitabrot für rund 6,00€

Mein Besuch endete nach einem kühlen Bier und einem leckeren Pita-Brot, welches in dutzenden Ausführungen gekauft und gegessen werden konnte. Auffällig war der hohe Anteil der Foodtrucks, die frische, vegetarische und vegane Burger im Angebot hatten. Mich überkam das Gefühl, dass die Bezeichnung „Burger Festival“ vielleicht passender gewesen wäre…
Anfang Juli bekam ich dann nicht nur die Chance ein zweites Street Food – Event zu besuchen, ich durfte sogar hinter der Theke stehen und dort arbeiten. Das Start-up Catering „Oishii – Japanese Streetfood“ war während des ersten Street Food Market in Bielefeld über jede Hilfe dankbar. Und so holte ich mir nicht nur eine Blase am Finger vom Zwiebeln schneiden, sondern erhielt einen Eindruck von der körperlich sehr harten Arbeit derer, die ein solches Event überhaupt möglich machen.

Hinter den Kulissen:

Vor Eröffnung des Festivals war keinem der Betreiber so ganz klar, was sie erwarten wird. Kommen tatsächlich alle 7198 Teilnehmer der Facebook-Veranstaltung oder wird das Event außerhalb der Bielefelder Innenstadt auf dem Gelände des ehemaligen Ringlockschuppen ein Flopp? Zweifel kamen besonders deshalb auf, weil der Veranstalter eine Eintrittspauschale in Höhe von 3€ veranschlagte, obwohl der Besuch der Street Food – Events in der Regel kostenlos ist. Eben diese Zweifel führten zu einer gewissen Gelassenheit, da zu Beginn um 16Uhr sowieso noch niemand mit vielen Besuchern gerechnet hatte. Marina Krämer, die Gründerin von „Oishii – Japanese Streetfood“ war hoffnungsvoll und rechnete mit einem Verkauf von etwa 500 Gerichten. Und auch der mexikanische Stand „Burrico – Mexican Grill“ rechnete mit einer durchwachsen besuchten  Veranstaltung.

© Oishii - Japanese Streetfood / Burrico - Mexican Grill

© Oishii – Japanese Streetfood / Burrico – Mexican Grill

Es kommt immer anders, als man denkt:

Die Prognosen und Vermutungen stellten sich innerhalb kürzester Zeit als absolute Fehleinschätzung heraus. Schon wenige Minuten nach Eröffnung des Marktes bildeten sich lange Schlangen an vielen Ständen.
Das Eventgelände erstreckte sich über mehrere Außenbereiche mit großen und professionellen Imbisswagen. Im inneren des zu einer Eventlocation umgebauten Ringlockschuppens befanden sich weitere aufwendig und liebevoll gestaltete Stände und zahlreiche do-it-yourself Sitzgelegenheiten. Loungemusik und Sonnenschein sorgten auch hier wieder für eine rundum lockere Atmosphäre.

 

© Oishii - Japanese Streetfood / Cachanga

© Oishii – Japanese Streetfood / Cachanga

Auf der anderen Seite der Stände brach derzeit Panik, Stress und Hektik aus. Nur wenige Betreiber waren tatsächlich darauf vorbereitet, schon zu Beginn alle Gerichte zu verkaufen. Die Fans der japanischen Küche musste ich die erste halbe Stunde leider vertrösten, da die geplanten Speisen erst mit einer zeitlichen Verzögerung verkauft werden konnten. Frisches Curry in vegetarischer Version und mit Fleisch, kleine Teigtaschen mit Curry gefüllt und gebackenes Hühnchen mit japanischen Dips waren vorbereitet. Und die Nachfrage war ungebremst. Mehrere Stunden leisteten alle auf absoluter Höchstleistung ihr Bestmögliches, um der gigantischen Menge an hungrigen Besuchern gerecht zu werden. Ständig war die Nachfrage größer als das Potenzial, neue Gerichte zuzubereiten. Und schon nach 3 Stunden waren die japanischen Teigtaschen komplett ausverkauft. Danach dauerte es auch nicht mehr lange, bis 2 weitere Gerichte von der Karte gestrichen wurden. Anstatt den Besuchern eine Freude zu machen, blickte ich oft in enttäuschte Gesichter. „Dafür habe ich jetzt 30 Minuten gewartet?! Na toll!“
Das schlechte Gewissen machte mich neugierig und ich wechselte die Perspektive.

Durch die Augen der Besucher:

Während und besonders nach der Veranstaltung wurde das Ausmaß der Besucherzahlen deutlich. Anstatt eine kontinuierliche Ankunft der Besucher zu erzielen, wurden die Veranstalter und Street Food – Betreiber besonders zwischen 18Uhr und 19.30Uhr von einem ungeahnten Andrang überrascht. Eine Wartezeit von knapp einer Stunde war notwendig, um Zugang zu dem Gelände zu erhalten. Und auch dort ging die Geduldsprobe weiter. Mussten die hungrigen Gäste für ein japanisches Gericht etwa 30 Minuten warten, betrug die Wartezeit für einen zusammenstellbaren mexikanischen Burrito über eine Stunde. Das Warten setzte sich bei den Getränken und den süßen Nachspeisen leider fort, sodass viele Besucher den Abend in einer Schlange verbrachten.

Auch die lange Schlange schreckte die Besucher nicht ab

Auch die lange Schlange schreckte die Besucher nicht ab.

Was mir besonders gut gefallen hat:

Trotz der untypischen Eigenschaften, dass der Street Food Market in Bielefeld teilweise in einer Location stattgefunden hat und nur durch ein Eintrittsgeld besucht werden konnte, hat mich die vielfältige Auswahl der Verkäufer überwältigt.
Anstatt dutzende Burgervarianten anzubieten, wurde den Besuchern eine kulinarische Weltreise ermöglicht. Hauchdünne Pizza, spanische Paella, Tapas, Burritos, japanische Traditionsgerichte und Maultaschen bildeten dabei nur den Anfang. Highlight waren für mich die afrikanischen Teigwaren, sowie das dort angebotene indianische Essen. Stände mit Pulled Pork und klassische Imbissgerichte aus Wildfleisch ließen keine Wünsche offen. Und die Auswahl an süßen Crepes, Kuchen und Frozen Joghurt machte den Besuch rundum perfekt.

Was alle Beteiligten lernen müssen:

Die 2 Perspektiven der Street Food Events

Die 2 Perspektiven der Street Food Events

Die Planung eines solchen Events ist wie Lotto spielen. Unverbindliche Facebook – Zusagen und wetterabhängige Besucherzahlen machen es nahezu unmöglich, den Verlauf einer solchen Veranstaltung zu planen. Das gilt mindestens genauso für diejenigen, die ihre Köstlichkeiten dort anbieten. Ich habe gezeigt bekommen, dass diese Art der Events mit einer sehr zeitintensiven Planung und Kalkulation verbunden ist. Selbstgemachtes Essen ist eine Leidenschaft, die mit Liebe und Zeit zubereitet wird und nur dann funktioniert, wenn sie entsprechend verkauft werden kann.
Jede Teilnahme an einem Street Food Festival ist für alle Seiten ein großer Spaß, wenn man sich auf die unerwarteten Überraschungen einlässt. Denn genau das macht diese Form des Essens doch so spannend: neue Dinge ausprobieren und die Atmosphäre der begeisterten Masse spüren. Ich blicke voller Vorfreude dem nächsten Event entgegen!

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